Artificial Family

Aus einer Proberauminitiative 1992 gegründet.

Zum Angebot gehören Workshops, Veranstaltungen und gemeinsame Freizeitaktivitäten in und rund um das Vereinshaus im Naherholungsgebiet der Mühlheimer Steinbrüche.

 

Artikel Offenbach Post, 17. Juli 2017:

 

Partynacht im Steinbruch

 

Artificial Family feiert Festival und 25-jähriges Bestehen

 

Seit 25 Jahren bieten die Festivals der Artificial Family auch einen Platz für Musiker, die in keine Schublade passen. © Prochnow
Seit 25 Jahren bieten die Festivals der Artificial Family auch einen Platz für Musiker, die in keine Schublade passen. © Prochnow

 

Mühlheim - 25 Jahre Artificial Family - das heißt auch 25 Jahre Steinbruch-Festival. Das Jubiläum des dreitägigen Treffens von 14 Bands und Discjockeys aus dem ganzen Bundesgebiet lief am Wochenende auf dem Vereinsgelände am Grünen See. Von Michael Prochnow

 

Idylle wäre das falsche Wort. Gut, das Gelände der „Artis“ ist durch einen Hügel geteilt, Besucher gelangen nur über eine Rampe zur Festival-Bühne. In den Abendstunden lodert ein Lagerfeuer, Kinder und Eltern hocken auf Bänken um die Flammen. Noch ein paar Schritte weiter, auf dem höchsten Punkt des Areals, wird Schmuck angeboten. In der Gegenrichtung geht’s bergab zur überdachten Terrasse und auf den „Beach“. Der feine Sand ist ein Markenzeichen der guten Adresse für Musiker. Die Ausstattung ist wie ein unverrückbares Symbol, das am Rabenlohweg Kinder wie Erwachsene willkommen sind, Freunde von Musik aller Genres. Hits á la Ballermann und klassische Takte waren an den drei Tagen des Traditionstreffens jedoch nur selten herauszuhören.

 

Nein, idyllisch ist es nicht. Aber wegweisend: Der Trend geht zur Aussage, zu Texten, zu deutschen Texten. Auch die Jungs mit der Reibeisenstimme, mit dem harten Gitarren-Sound, verbreiten unter der rauen Schale viel Gefühl, schreiben manchmal poetische Verse und witzige Wortspiele. Viele Gäste richteten ihren Besuch ganz gezielt nach der bevorzugten Musikrichtung aus, kamen mit Kind und Hund, wobei der zweibeinige Nachwuchs oft kunterbunte Kopfhörer als Ohrschutz trug. Andere genossen schlicht die freundliche Atmosphäre zwischen Bühne und Bar, schnappten sich einen der Liegestühle und verfolgten das Geschehen vom Waldrand auf der Anhöhe aus.

 

Rund 250 Bands begrüßte das Arti-Team seit dem Start. Einige haben Karriere gemacht, blickte Vereinssprecher Felix Frost zurück. Die meisten aber haben sich „nicht für die Musikindustrie verbogen“, seien Idealisten und Individualisten geblieben. Dafür hörten die Gastgeber immer wieder Lob, schließlich gebe es nur noch wenige Orte und Veranstalter, die Musikern eine Plattform geben, die in keine Schublade passen. „Der Fall Böse“ gehört zu dieser Gruppe. Die Hamburger haben im Laufe der Jahre aber eine große Fangemeinde um sich geschart. Im Herbst wollen sie Abschied von der Bühne nehmen, jetzt begeisterte die selbst ernannte Rock’n’Roll-Blues-Punk-Tanzformation noch einmal ein großes Publikum unter freiem Himmel. Den Auftakt bestritt Kamatosa aus Offenbach mit Grunge- und Stone-Rock. Auch der „nackte“ Rock passte, die Gruppe Nackt aus der Lederstadt hat sich eigens für das Festival wiedervereint. Mit Funk und Metal mischen Samavayo den Rock der 70er Jahre.

 

Mit viel Getrommel starteten die Gastgeber das Samstagsprogramm. Wortreich folgte Tim Ahmed, Qunstwerk legte Hip Soul über den „Strand“, es folgten Directors Cut und Illbilly Hitec. Den Sonntag beherrschten Latin Reggae und Blues – mit Marvin Scondo, The Jukes, Banjoory, Mellow Mark und der temperamentvolle Espana Circo Este aus Buenos Aires und Italien. Bei der Artificial Family geht’s am 19. August mit dem DJ-Programm Funk-Fusion weiter. Am 16. September läuft der Summerbeat mit Party.

 

 

 

Artikel Offenbach Post, 17. Juni 2019

 

 

Differenziertes Hinhören

 

Steinbruchfestival der Artifical Family lockt viele Besucher an den Grünen See

 

 

Drei, die dafür sorgen, dass Helfer und Musiker satt werden: Maria Bowyer, Jochen Klass und Alexander Rauschmann.
Drei, die dafür sorgen, dass Helfer und Musiker satt werden: Maria Bowyer, Jochen Klass und Alexander Rauschmann.

 

Felix Frost braucht sich keinen Vorwurf zu machen, weil er gerade etwas nicht weiß.

 

Mühlheim – Bevor er auf dem Gelände der "Artificial Family" am Rande der Steinbrüche die erste Band des Abends ansagt, muss Frost hinter der Bühne nachfragen,

"was macht ihr eigentlich für Musik?" Die Band, die er fragt, gibt die Ouvertüre zur

27. Auflage des dreitägigen Steinbruchfestivals mit insgesamt 13 Bands und zwei DJs.

 

Frost, der Vorsitzende der "Artificial Family", kann "Bel Blair" nicht kennen.

Ziemlich sicher trat seit Beginn des Festivals noch keine Band mit einer derart jungen Historie auf. Und normalerweise prüft einer wie der Vize-Vorsitzende Ralf Heiniger, wen sich der Verein für die Bühne einkauft.

 

"Bel Blair" probten im vergangenen November das erste Mal zusammen.

Ende April gewannen sie nach Vorausscheidungen das Finale des "Bandsupporter-Contest" in Mainz.

"Bel Blair" hat sich gegen 63 Bands aus der Rhein-Main-Neckar-Region durchgesetzt. Wer dort abräumt, gewinnt eine Auftrittsgarantie auf zehn Festivals – darunter auch Mühlheim.

 

Frauke Sychy klärt Felix Frost auf, "wir spielen *'California Pop-Rock'". Die Sängerin und ihr Freund, der Gitarrist Sebastian Lensch, traten schon oft als Duo auf, meist in Dresden und Umgebung, wo die beiden studierten. Wieder in Wiesbaden zurückfanden sie durch eine Anzeige Philipp Schnell fürs Keyboard, Patrice Birding für den Bass und den Schlagzeuger Chris Wallgarten. "Wir wollten uns erweitern."

 

"Bel Blair" ist zwar jung, intoniert jedoch fernab von irgendeinem musikalischen Dilettantismus. Die Bandmitglieder schreiben die Lieder selbst, die einfallsreiche Melodien mit gefälligen Modulationen und variablen Rhythmen charakterisieren.

Frauke und die anderen singen auf Englisch.

 

Hinter der Bühne misst Felix Wagner die Lautstärke. An der Grenze zum Naturschutzgebiet dürfen die 90 Dezibel nicht überschritten werden.

Das hat neben der Möglichkeit, die Ohrstöpsel in der Tasche lassen zu können,

noch einen weiteren angenehmen Effekt. Viele Bands drehen gerne so stark auf,

dass nur noch ein Klangbrei aus den Boxen wummert. Beim Steinbruchfestival der "Artificial Family" lässt sich differenziert hinhören.

 

Auch bei den acht Jungs von "The Jukes" aus Rodgau, die vor zwei Jahren den "Bandsupporter-Contest" gewannen: Deren Auftritt strotzt vor Vitalität. Offiziell firmieren sie unter Indie- und Blues-Rock, doch bei "The Jukes" tauchen auch treibende Elemente von New Wave auf.Die Würze im Sound der Formation bilden Trompete und Tenorsaxofon.

 

Überall läuft der Cocker Spaniel Swessi herum, der freundliche Hund, der zu jedem Artificial-Fest gehört. Swessi erklärt jeden zu seinem besten Freund, der gerade eine Wurst verspeist.

 

Um die drei Festivaltage auf die Beine zu stellen, engagieren sich gut hundert Helfer für die "Artificial Family". Längst sind auch die Kinder der Gründer des Vereins mit von der Partie, wie Nick Frost oder Ben Gutwerk. Die Jugendlichen verlegen die Kabel oder helfen bei der Essensausgabe für die Musiker und Helfer. Wie immer organisiert Alexander Rauschmann das Catering, über das sich die Bands freuen, die es vielfach gewohnt sind, nur eine Wurst mit Brötchen in die Hand gedrückt zu bekommen. Das gibt es dort zwar auch, aber nur als Ergänzung zu Salaten oder zum vegetarischen Chili-Eintopf. Rauschmann erzählt am Rande, wie er 1967 bei den Hamburger Elektrizitätswerken als Achtjähriger einen Kinderkochkurs besuchte.

Ralf Heiniger betont, man achte darauf, das Programm so zu gestalten, „dass jede Band in den Flow des Abends passt“. Als letztes tritt "Shirley Holmes" aus Berlin auf. Das Trio aus zwei Frauen an den Gitarren und einem Mann am Schlagzeug gefällt vor allem jenen Zuhörern, denen Texte nicht egal sind. "Shirley Holmes" singt Deutsch.

 

VON STEFAN MANGOLD

 

 

Artikel Offenbach Post, 26. Juni 2023:

 

Von Soul bis Hip-Hop

Rund 1000 Besucher feiern beim 29. Steinbruchfestival

 

 

 

Viel Musik, gute Laune und Rhythmen, die zum Tanzen einladen: Beim 29. Steinbruchfestival überzeugten die unterschiedlichsten Künstler – links etwa Malaka Hostel – die Besucher. FotoS: Hackendahl
Viel Musik, gute Laune und Rhythmen, die zum Tanzen einladen: Beim 29. Steinbruchfestival überzeugten die unterschiedlichsten Künstler – links etwa Malaka Hostel – die Besucher. FotoS: Hackendahl

 

Mühlheim – Eine fröhliche Schar musikbegeisterter Menschen hat am Wochenende beim 29. Steinbruchfestival des Vereins Artificial Family am Grünen See unweit des Naherholungsgebiets Dietesheim ausgelassen gefeiert. Auf dem idyllischen Artifical-Vereinsgelände fand wieder der bunte und abwechslungsreiche Musik-Event statt. Tanzen, Springen oder (für die Kinder) Spielen im Sand – es war eine richtig familiäre Veranstaltung.

 

Rund 1000 Musikfans kamen zu dem zweitägigen Festival mit seiner besonderen Atmosphäre und rund zehn Bands, darunter auch Künstler aus dem Breisgau und Hamburg. Und alle lieferten sie ein breites, stets mitreißendes Musikspektrum von Latin, Reggae, Balkan, Rock, Electro, House über Jazz, Soul, World, Ska bis hin zu Funk, Cumbia und Sambaklänge ab. "Mit rund 30 Helfern haben wir eine Woche vorher mit dem Aufbau begonnen. Alles haben wir selbst gemacht – von der Stromversorgung und LED-Lampen bis zur Dekoration", berichtet Felix Frost, Erster Vorsitzender der Artifical Family. Seit 1992 engagiert sich der 80 Mitglieder zählende Mühlheimer Verein für ein buntes und breites Spektrum an Musik, Kultur und Freizeitvergnügen. 2020 ist dort der beliebte "uferlos Beach-Club“"entstanden, der freitags ab 17 Uhr sowie samstags und sonntags ab 14 Uhr geöffnet ist.

 

"Im Line-up des Steinbruchfestivals sind nicht die großen Namen wichtig, vielmehr wird auf Klasse, Vielfalt, Tanzbarkeit und dass die Künstler zum Festival passen, geachtet", erläutert "Vize" Ralf Heininger, der die Bands zusammengestellt hat.

Nicht fehlen durfte natürlich "Bab ane Zamé", die Artifical Music Projekt. Die 13 Musiker der Vereinsband begeisterte das Publikum mit brasilianischen Samba-Klängen, Trommelrhythmen und Crossover-Musik. Auch der Hamburger Sänger "Jahfro" und sein mitrappender Kollege Jan, eroberten die Herzen der Festivalbesucher im Sturm. Intelligente Texte in deutschem Hip-Hop-Sprechgesang verpackt mit mitreißenden Rhythmen – fertig ist ein umjubelter Auftritt in einer laut Künstler Jahfro „traumhaften Location“. Das Festival, das bewusst klein gehalten ist, stößt bei Fans auf dem idyllischen Festivalgelände mit den Palmen gesäumten "Arti-Beach" auf viel Zustimmung. Es hat viele Fans und Freunde jeden Alters, die Musik und Atmosphäre des Steinbruchfestivals sichtlich genießen. So überzeugte die Band "Malaka Hostel" aus dem Breisgau die Fans vom ersten Takt an mit "Global Rumba", einer hippen Mischung aus Rock, Polka, Ska und Pop.

 

Auch am gestrigen Sonntag versprachen Bands wie Gastone, Mate Power, the Argosonics und „the Muffin Tops“ sowie die DJs der After-Shows ein großartiges Fest. Vielfältig zudem die kulinarischen Genüsse im "Food Corner", Wraps und Falafel von Burger bis vegan, die noch vor dem Kassenhäuschen von jedermann genossen werden konnten.

 

 

Homepage: www.artifly.de