Womanoise

Artikel Offenbach Post, 15. März 2012:


Womanoise aus Dreieich mögen’s rockig

Frauenband macht mächtig Krach


Dreieich - Frauen-Rockbands sind in der lokalen Musikszene rar gesät. Dreieich hat eine. Und was für eine. Von Enrico Sauda


Gitarristin Johanna Rohe, Bassistin Charlotte Hannig, Sängerin Sandra Wenzel und Schlagzeugerin Claudia Gabriel firmieren unter dem Wortspiel Womanoise (eine Kombination der beiden englischen Begriffe für Frau und Krach). Das Quartett hat sich auf fetzige Rocksongs spezialisiert. Erklärtes Ziel jedes Auftritts: Es richtig krachen lassen.

"Los ging es damit, dass unsere Männer eine Band hatten und wir mal ausprobieren wollten, was wir so können", erzählt Claudia Gabriel (26). Das ist vier Jahre her. Auch damals sei man schon zu viert gewesen, sagt die Medizinstudentin. „Allerdings hat sich die Besetzung seitdem verändert.“ Und überhaupt: "Das war mehr so Geklimper."

 

Nach anfänglichem Geklimper klingt‘s jetzt nach Musik

 

Der große Unterschied: Sie übten im Anfangsstadium eigene und keine nachgespielten Songs ein. "Seit anderthalb Jahren sind wir in der aktuellen Konstellation zusammen", erzählt Claudia Gabriel, "und seitdem klingt das auch alles nach Musik, was wir machen." Inzwischen umfasst das Repertoire der Band 22 Stücke, zu denen Rockklassiker, aber auch Chartstürmer gehören. Das Spektrum reicht dabei vom aktuellen "Rolling in the Deep" der britischen Sängerin Adele über "Sleeping in my car" von Roxette bis hin zu "Torn" von Natalie Imbruglia.

 

"Nachspielen macht Spaß und wir brauchen nicht so lange, bis wir die Songs können", sagt Immobilienkauffrau Johanna Rohe. Bandkollegin Sandra Wenzel nickt. "Wir sind alle berufstätig oder studieren, da ist es gut, wenn es bei den Proben schnell und unkompliziert vorangeht." Die Sozialarbeiterin ist mit ihren 31 Lenzen die Band-Älteste. Dafür ist sie mit reichlich Banderfahrung ausgestattet. Angefangen habe alles im Kirchenchor, erzählt sie.

Allerdings, Lieder schnell einzuüben, hat für das aus Dreieich und Langen stammende Quartett nichts mit Schludern zu tun. Im Gegenteil: "Unser Markenzeichen ist zwei- bis dreistimmiger Gesang, den wir überall dort einbringen, wo es Sinn macht", erläutern sie. Zwar sei man beim Nachspielen nah am Original, "wir bauen aber die Songs öfters so um, dass es passt" – sowohl mit dem mehrstimmigen Gesang als mit der einen Gitarre. Schließlich basieren etliche Lieder in ihren Originalversionen auf zwei Gitarren.

 

Proberaum in Urberacher Bürogebäude

 

Überhaupt beherrschen die Damen ihre Instrumente alle schon eine ganze Weile. Seit einer Dekade sitzt Claudia Gabriel bereits hinter dem Schlagzeug, Charlotte Hannig zupft die Basssaiten bereits seit acht Jahren und Johanna Rohe spielt seit sechs Jahren Gitarre.

 

Gemeinsam üben, das können die vier Frauen weder in Dreieich noch in Langen – "weil’s da einfach nichts gibt". Sozusagen Asyl fanden die Rock-Ladys in einem Urberacher Bürogebäude, in dem auch andere Gruppen regelmäßig ein und aus gehen. "Zuvor haben wir in Offenbach in der dortigen 'Kommune' geprobt", berichtet Charlotte Hannig, die molekulare Biotechnologie studiert und zur Band stieß, nachdem sie sich auf eine Anzeige hin gemeldet hatte.

In naher Zukunft will Womanoise gleich mehrere gesteckte Ziele erreichen. Zum einen soll eine Demo-CD her, zum anderen wollen sie ihr Programm um fast die doppelte Anzahl an Stücken erweitern. Darüber hinaus haben sich die vier Frauen vorgenommen, viel live zu spielen. "Wir wollen ein abendfüllendes Programm zusammenstellen", sagt Sandra Wenzel.

 

Jüngst bewiesen sie ihr Können im Stadtverordnetensitzungssaal beim Neujahrsempfang der Grünen. "Doch das war unplugged – also ohne Verstärker und ohne echtes Schlagzeug", klagt Drummerin Claudia. Überhaupt hatten sie bisher nur vier Auftritte und drei davon unplugged. Das wird sich jedoch garantiert ändern. Schon am 23. März sind sie mit ihren verstärkten Instrumenten bei einer Abrissparty an der Frankfurter Uni zu hören.

Zwei Wünsche hat das Damen-Quartett zu guter Letzt: "Wir suchen noch eine Keyboarderin und eine zweite Gitarristin."